Mit den Fähren unterwegs

New York soll an die 200 Museen besitzen. Das ist eine ungeheure Zahl. Ich kenne keinen, weder eingefleischte New Yorker noch passionierte Touristen, die auch nur die Hälfte aller Museen abgeklappert hätten. Die wichtigsten Museen konzentrieren sich entlang der so genannten Museumsmeile von Manhattan. Diese verläuft an der Fifth Avenue zwischen der 82nd und 104th Street. Da steht zum Beispiel das neue Museum of Modern Art (MoMA) - mit Ikonen der Moderne wie Claude Monets „Seerosen“-Bilder oder „Der Tanz“ von Henri Matisse. Mein Lieblingsmuseum in New York aber ist ein ziemlich alter Kasten weit außerhalb der Museumsmeile.



Das „Vorzimmer der Freiheit“ wird dieser Kasten genannt. Er steht auf einer kleinen Insel des Hudson River im Hafen von New York. Im Hafen treibe ich mich viel herumtreibe, denn er ist das eigentliche Herz dieser faszinierenden Stadt.

Mein Museum ist das Immigration Museum auf Ellis Island. Das Museum setzt den Einwanderern, die New York und die Vereinigten Staaten groß werden ließen, ein Denkmal. Allein in der Zeit zwischen 1892 und 1954 kamen rund zwölf Millionen Einwanderer auf Schiffen in den New Yorker Hafen, erfahre ich hier. An Spitzentagen wurden auf Ellis Island bis 12.000 Einreisewillige abgefertigt. Rund vier Millionen Einwanderer verblieben in der Stadt. Sie belebten Little Italy, Chinatown und Kleindeutschland an der Lower East Side.

Auf drei Stockwerken vermittelt sich ein plastisches Bild. Das Interessanteste ist die Große Halle mit Schlafsaal und Gepäckraum. Sie zeigen: die Einwanderungsformalitäten waren langwierig und zeitraubend. Die Einwanderungswilligen mussten hier nächtigen, Frauen und Männer getrennt. Die Verhältnisse waren spartanisch und beengt, aber kein Vergleich zu der häufig katastrophalen Unterbringung während der Überfahrt. Auf Ellis Island starben rund 3000 Einreisewillige an Erschöpfung oder Krankheit.

Nach Ellis Island verkehren mehrmals täglich die Fähren ab Battery Park in Lower Manhattan oder vom Liberty State Park in New Jersey City. „Benutzte so oft Du kannst die Fähren, denn New York und seine Skyline muss man vom Wasser aus entdecken“, hatte mir ein New Yorker Freund vor meinem Besuch der Mega-City geraten – und hinzugefügt: “so wie die meisten Einwanderer“.

Mit der Fähre, die in Ellis Island anlegt, fahre ich weiter zur nächsten Insel im riesigen Hafenbecken von New York. Möven begleiten uns ein Stück mit ihren spitzen Schreien, das dunkle Wasser ist an diesem Tag leicht kabbelig. Dann legt die Fähre auf Liberty Island an, am Fuß der Freiheitsstatue. Das Wahrzeichen Amerikas ist 46 Meter hoch, samt Sockel sogar 102. Seit 1886 begrüßt die Dame mit der siebenzackigen Krone und der Fackel die Schiffe aus der Alten Welt. Dieser Leuchtturm der Freiheit ist ein Geschenk der Franzosen an das amerikanische Volk. Und begehbar - den Aufstieg zur Besucherplattform lasse ich mir nicht entgehen. Meine Fahrt endet wieder im Liberty State Park. Wer die Fähre ab Battery Park an der Südspitze Manhattans nimmt, besucht zuerst Liberty Island und dann Ellis Island. Er wird belohnt mit wunderbaren Blicken auf Manhattan und auf die Brooklyn Bridge.

Morgen, habe ich mir vorgenommen, probiere ich die Fähre nach Staten Island aus.